Mit der Studentin Victoria geht es auf Exkursion in die Höhlenwelten des Odenwaldes.

Durch einen Zufall entdeckt …
Rudolf Gaukel hatte sich schon seit ein paar Tagen gewundert. Immer, wenn der Sprengmeister im Eberstadter Steinbruch ein Bohrloch in den massiven Fels getrieben hatte und nun seine Sprengstoffpatronen dort hineinsteckte, verschwanden sie auf Nimmerwiedersehen. Der Berg schien die Patronen zu verschlucken, als wolle er sich von ihnen nicht zerreißen lassen; Gaukel linst in das schwarze Bohrloch, weg sind die Patronen.
Am 13. Dezember 1971 bereitet Gaukel wieder eine Sprengung im Steinbruch vor, diesmal fällt ihm nichts Außergewöhnliches auf, er steckt die Patronen in den Berg, drückt auf den Zünder, mit einem Knall explodieren die Patronen im Gestein. Als der Rauch sich verzogen hat, klafft im Fels ein riesiger Spalt.
Durch diesen Spalt klettern Gaukel und seine Kollegen, und was sich ihnen da im Inneren des Berges präsentiert, soll schon wenige Tage später von Experten als „eine der schönsten und größten Höhlen Süddeutschlands“ eingestuft werden. Die Eberstadter Tropfsteinhöhle bei Buchen im Odenwald ist entdeckt, und Rudolf Gaukel hat eine Geschichte geschrieben, die sich noch seine Urenkel gegenseitig erzählen werden.

Die Eberstadter erschließen die Höhe in Handarbeit …
Die Höhle ist damals groß und schön, aber leider völlig unbegehbar. Ein bis zwei Millionen Jahre hat die Erde hier unentdeckt vor sich hingetropft, und Tropfen für Tropfen sind urtümliche Gebilde entstanden, gigantische Stalagmiten und Stalaktiten, die merkwürdigsten Formen. Der Boden besteht aus tiefem Schlamm, der mit festem Griff die Stiefel derer packt, die nun als Erste hier hineinkommen und mit dem Lichtkegel ihrer Taschenlampen atemlos die Gebilde an Decken und Wänden abtasten.
Das winzige Eberstadt, weit ab aller Touristenströme, findet sich plötzlich in den überregionalen Schlagzeilen wieder, und die Eberstadter packen Leitern und Seile und klettern neugierig an der Felswand empor, um einen Blick ins „große Loch“ zu werfen.
Weil europäische Förderprogramme und Gelder für strukturschwache Regionen noch nicht erfunden sind, muss die Gemeinde selbst zusehen, was mit der Höhle wird. Der Bürgermeister organisiert den Ausbau mit fast einhundert freiwilligen Helfern höchstpersönlich, mehr als 7000 Stunden schuften die Männer ehrenamtlich, um aus dem Loch im Berg die touristische Attraktion zu machen, die die Eberstadter Tropfsteinhöhle heute ist.
Nur knapp zwei Jahre nachdem Rudolf Gaukel sich gewundert hat, wieso der Berg den Sprengstoff kurzerhand verschluckt, wird die Höhle feierlich fürs Publikum geöffnet. 3,5 Millionen Menschen waren seitdem hier und haben sich auf den rund 600 Meter langen Weg durch die Unterwelt gemacht.
Für die 16-jährige Victoria Hirsch ist das „große Loch“, die riesige Höhle, die Gaukel vor fast 50 Jahren entdeckt hat, heute so eine Art zweites Wohnzimmer. Als Kind war Victoria mit ihren Eltern manchmal hier, staunend hat sie die Tropfsteine bewundert, und heute führt sie selbst Besucher durch die Höhle – als eine der Jüngsten in der Eberstadter Höhlenführer-Truppe.

“Wir Menschen sind doch nur ein winziger Ausschnitt …”
Die Höhle fand sie auch als Schülerin noch spannend, und Geologie interessierte sie. Und als dann der große Bruder eine Ausbildung zum Höhlenführer machte, wollte sie das auch. Während ihre Mitschüler an Wochenenden Eis essen gingen oder shoppen, stapfte sie durch die nasskalte Unterwelt, guckte, hörte zu, machte sich Notizen. Ein Dreivierteljahr lang, jedes zweite Wochenende. Sie büffelte Erdgeschichte, geologisches Grundwissen, kannte bald jeden größeren Tropfstein persönlich. Sie lernte, vor großen Besuchergruppen zu sprechen und allzu abenteuerlustige Kinder im Zaum zu halten, und sie hatte am Ende auf fast alle Fragen eine fundierte Antwort.
„Was ich da alles gelernt habe, das kann ich auch in der Schule gut gebrauchen oder später im Studium“, meint Victoria. Selbstbewusstes Auftreten, Vorträge frei halten, ohne an einem Manuskript zu kleben, spontan auf Zwischenfragen oder auch mal auf Störungen zu reagieren. „Was mich am meisten fasziniert bei meiner Arbeit hier in der Höhle, ist das Gefühl für die unglaubliche Zeitspanne, in der das alles entstanden ist“, sagt Victoria. „Ich denke dann immer: Wir nehmen uns so wichtig, dabei sind wir da doch nur ein winzig kleiner Ausschnitt.“
Inzwischen führt die Schülerin regelmäßig Gruppen durch die Höhle. „Besonders ältere Besucher sprechen mich direkt an“, sagt sie, „die finden es klasse, dass ein so junger Mensch so etwas macht.“ Und einer Freundin hat Victorias Führung durch die Unterwelt so gut gefallen, dass sie daraufhin selbst die Ausbildung gemacht hat. Ein bisschen Geld kann man damit auch verdienen. „Aber das ist nur ein netter Nebeneffekt“, sagt Victoria lachend, und dann verschwindet sie mit ihrer großen Taschenlampe und einer Gruppe von Jugendlichen wieder in die Unterwelt.

Text: Friederike Kroitzsch, Fotos: Petra Arnold www.myodenwald.de
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